Seit seiner Geburtsstunde im Jahre 1990 hat sich das WWW inhaltlich sehr verändert. Zunächst nur ein über Hyperlink vernetztes Dokumentenmanagementsystem, das lediglich einer kleinen Zahl von Insider-Nutzern zur Verfügung stand, sollte es sich in den folgenden Jahren zum größten verteilten Informationssystem aller Zeiten entwickeln. Mit dem Aufkommen des E-Commerce verschob sich der Fokus des WWWs weg von dem persönlichen Kommunikations- und Publikationsmedium für Spezialisten, hin zu einem Medium der Massenkommunikation: Informationsproduzenten und Informationskonsumenten bleiben strikt getrennt. Lediglich der Spezialist war in der Lage, eigene Inhalte im WWW online zustellen. Die breite Masse konsumierte das Informationsangebot der gleich einem traditionellen Broadcast-Medium agierenden kommerziellen Informationsanbieter. Die Interaktion der Nutzer beschränkte sich lediglich auf das Lesen von Webseiten, das Online-Bestellen von Waren oder das Anklicken von Werbebannern.
Doch das WWW veränderte sich weiter. Es wurden neue Technologien entwickelt, die es auch dem Laien ermöglichen, Informationsinhalte auf einfache Art und Weise selbst zu publizieren. Weblogs, Chatrooms, Tauschbörsen, Tagging Systeme und Wikis eroberten das WWW und eröffneten dem Anwender auf breiter Basis den Weg zu echter Interaktion und Teilnahme in der digitalen Welt. Als der Medienunternehmer und Netzpionier Tim O’Reilly (*1954) im Oktober 2004 diese Veränderung des WWW einem reinen Fachpublikum unter dem Namen Web 2.0 vorstellte, war noch nicht abzusehen, dass diese ” Renaissance des WWW“ derart um sich greifen würde. Das Internet hatte sich von einem reinen Broadcast-Medium zu einem echten interaktiven Marktplatz gewandelt, der Nutzer ist Informationskonsument und Informationsproduzent zugleich. Diese neue Interaktivität hat die Entstehung sozialer Netzwerke befördert, wie z.B. Facebook, die heute von vielen Millionen Benutzern in allen Ländern genutzt werden.

Ohne Suchmaschinen wie z.B. 'Google' findet man sich im WWW nicht mehr zurecht
Neben dieser evolutionären Entwicklung des WWW wuchs die angebotene Informationsfülle weiter über alle Maßen. Um sich in diesem Informationsuniversum zurecht zu finden, wurden Suchmaschinen, wie z.B. Google entwickelt, die den Benutzer auf seinem Weg durch das WWW leiten. Google verwaltet zu diesem Zweck einen gigantischen Index, der auf die Eingabe eines Suchbegriffes hin einen sekundenschnellen umfänglichen Zugriff auf die relevanten Webdokumente bietet. Allerdings finden sich in den Ergebnislisten nur Dokumente, die diesen Begriff auch wortwörtlich enthalten. Umschreibungen oder Synonyme können nicht gefunden werden. Vollständigkeit und Genauigkeit der Suchergebnisse können daher alleine aufgrund der problematischen Interpretation der natürlicher Sprache nie auch nur annähernd befriedigen.
Dazu wäre eine systematische Ergänzung der Webdokumente mit entsprechend aussagekräftigen zusätzlichen Daten (sogenannten Metadaten) notwendig. Ein derart mit Metadaten ergänztes Webdokument müsste zusammen mit jedem für dieses Dokument relevanten Begriff einen Verweis auf ein diesen Begriff beschreibendes Konzept enthalten. Diese konzeptuellen Beschreibungen – so genannte Ontologien – müssen in einer maschinenlesbaren, standardisierten Form hinterlegt und von einer Suchmaschine zusätzlich ausgewertet werden, um die qualitative Trefferquote der präsentierten Suchergebnisse zu erhöhen. Tatsächlich hat das für die Standardisierung des WWW zuständige WWW-Consortium (W3C) bereits die dazu notwendigen Grundlagen in Form von Ontologiebeschreibungssprachen, wie z.B. RDF, RDFS oder OWL geschaffen. Semantisch annotierte Webseiten ermöglichen es autonom agierenden Agenten, zielgerichtet Informationen zu sammeln, um darauf aufbauend selbstständig Entscheidungen im Sinne ihres Auftraggebers zu treffen und Transaktionen über das WWW zu initiieren. Dieses semantische Netzwerk (Semantic Web) stellt die nächste Evolutionsstufe des WWW dar und soll schon in naher Zukunft Realität werden.

