ARPANET

Das Arpanet im September 1974

Das Arpanet im September 1974

Die Ursprünge des Internets reichen weit zurück in die Zeit des kalten Krieges. Mit der kolportierten Absicht, ausfallsichere und zuverlässige Kommando- und Kommunikationsverbindungen zu gewährleisten, die selbst einen Atomschlag überstehen, wurde die Idee eines paketvermittelten Kommunikationsdienstes entwickelt, der in der Lage sein sollte, unterschiedlichste Rechnernetze zu überbrücken. Die Idee der Paketvermittlung, ein Grundpfeiler der Internet-Technologie, ohne die eine sichere Kommunikation in einem unsicheren, fehleranfälligen Netzwerk nur schwer vorstellbar ist, wurde bereits zu Beginn der 60er Jahre von Paul Baran (1926-2011) bei der amerikanischen RAND Corporation, Donald Davies (1924-2000) am britischen National Physical Laboratory (NLP) und Leonard Kleinrock (*1934) am Massachusetts Institute of Technology (MIT) entwickelt.

Bei einem Treffen der ARPA Forschungsdirektoren im Frühjahr 1967 brachte das Information Processing Techniques Office (IPTO oder nur IPT) unter der Leitung von Joseph C. R. Licklider (1915–1990) und Lawrence Roberts (*1937) erstmalig das Thema der Überbrückung heterogener Netzwerke, also den Zusammenschluss von nicht kompatiblen Computernetzwerken auf die Tagesordnung. Bereits im Oktober 1967 konnten die ersten Spezifikationen diskutiert werden für die Interface Message Processors (IMP), speziellen Minicomputern, ähnlich den heute eingesetzten Internet-Routern, die den über Telefonleitungen zu koppelnden Rechnern vorgeschaltet werden sollten.

Die Entscheidung zur Verwendung standardisierter Verbindungsknoten zur Koppelung proprietärer Hardware zu einem Kommunikationssubnetz vereinfachte die Entwicklung der notwendigen Netzwerkprotokolle, da die Software-Entwicklung für die Kommunikation zwischen IMP und den proprietären Rechnern dem jeweiligen Kommunikationspartner überlassen werden konnte. Auch brauchte man sich nicht mit dem Problem herumschlagen, dass die in den 1960er und 1970er Jahren eingesetzten Computer keiner standardisierten Architektur folgten. Weder das auf diesen eingesetzte Betriebssystem, noch die verwendete Hardware verfügte über gemeinsame Schnittstellen, so dass für jede Kommunikationsverbindung zwischen zwei Rechnern eine eigene Schnittstelle hätte entwickelt werden müssen. Ende 1968 konnten dann basierend auf den Arbeiten des Stanford Research Institutes (SRI) die endgültigen Spezifikationen der IMPs festgeschrieben werden. Um sich mit dem Kommunikationssubnetzwerk zu verbinden, kommunizierten die jeweiligen Host-Rechner über eine bitserielle Hochgeschwindigkeitsschnittstelle mit den vorgeschalteten IMPs. Die IMPs selbst kommunizierten untereinander via Modems, die über permanent geschaltete Telefonleitungen verbunden waren, um Datenpakete zwischenzuspeichern und weiterzuleiten (Store-and- Forward Packet Switching). Die ersten vier miteinander verbundenen Netzwerkknoten des ARPANETs, benannt nach seinem Sponsor, der US-amerikanischen Regierungsbehörde ARPA, gehörten zu universitären Forschungseinrichtungen der Universitäten Los Angeles (UCLA, Sigma-7), Santa Barbara (UCSB, IBM-360/75), Stanford (SRI, SDS-940) und Utah (DEC PDP-10). Am 29. Oktober 1969 war es dann soweit: die ersten vier IMPs waren erfolgreich sowohl untereinander, als auch mit ihren Hostrechnern verbunden und die Ära des Internet begann.

Im März 1970 erreichte die Ausdehnung des jungen ARPANETs erstmals die Ostküste der USA und im April 1971 waren bereits 23 Hosts über 15 Knotenpunkte miteinander verbunden. Die erste ”prominente“ Anwendung des neuen Netzwerks war eine Software zum Transfer von Textnachrichten, das erste E-Mail Programm, das 1971 von Ray Tomlinson (*1941) von BBN entwickelt wurde. Im Januar 1973 wuchs die Anzahl der Rechner im ARPANET auf 35 Knoten an. Ab Mitte 1973 kam dann auch Rechner in England und Norwegen als erste internationale Knoten mit hinzu. Im selben Jahr wurde auch die erste Anwendung zum Dateitransfer, das File Transfer Protocol (FTP) implementiert. Ab 1975 wurden die außerhalb der USA liegenden Netzwerkknoten über eine Satellitenverbindung angeschlossen. Die Zahl der Rechner im Netz wuchs mit 111 angebundenen Hostrechnern im Jahr 1977 auf über 500 Hosts im Jahr 1983 an. Eine erste sehr erfolgreiche öffentliche Demonstration des Internetworking erfolgte im November 1977, als über spezielle Gateway- Rechner das ARPANET mit einem der ersten Funkdatennetze, dem Packet Radio Network und einem Satellitennetzwerk, dem Atlantic Packet Satellite Network zusammengeschaltet wurde.

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