Teil 2 von 2 (zu World Wide Web, Teil 1)
Mit dem ersten WWW-Browser mit grafischer Benutzeroberfläche, dem NCSA Mosaic von Marc Andreesen (*1971) für das X-Windows System, war es ab Ende 1993 dann endlich auch dem Nichtfachmann möglich, das WWW zu nutzen, insbesondere da NCSA kurz darauf Versionen für IBM PC und Apple Macintosh veröffentlichte. Auch die Anzahl der WWW-Server war inzwischen auf 500 gestiegen und das WWW verursachte etwa 1% des weltweiten Internet-Datenverkehrs.
1994 sollte dann aber das eigentliche Jahr des WWW werden: Die erste Internationale World-Wide-Web Conference wurde im Mai 1994 am CERN abgehalten. Eigentlich hatten sich weit mehr als die 400 teilnehmenden Forscher und Entwickler angemeldet, doch war der vorhandene Platz einfach zu beschränkt für das große Interesse, das dem WWW entgegengebracht wurde. Berichte über das WWW gelangten in die Medien und im Oktober wurde eine zweite Konferenz in den USA veranstaltet, an der bereits 1300 Personen teilnahmen. Dank der Verbreitung des zum Netscape Navigator weiterentwickelten Mosaic Browsers und seines Markt-Konkurrenten, dem Microsoft Internet Explorer, der jedem verkauften Microsoft Betriebssystem seit 1995 beilag, erfuhr das World Wide Web ein ungebremstes Wachstum. Lag die Wachstumsrate zuvor bei einer jährlichen Verdoppelung der angeschlossenen Computer, so verdoppelte sich diese Zahl nun alle drei Monate. Explosionsartig verbreitete sich das WWW über den ganzen Globus und hielt Einzug in Büros und Privathaushalte.
E-Commerce wurde dann ab 1995 zum geflügelten Begriff: Wirtschaft und Handel entdecken das WWW und seine Möglichkeiten. Erste Internet-Shopping-Systeme wurden eingerichtet und Firmen wie Amazon.com oder Google.com entstanden aus dem Nichts und wurden über Nacht zu Börsenriesen. Die Registrierung von Internetadressen und Namen wurde zu einem kostenpflichtigen Service und die großen Firmen ließen sich die rechtliche Absicherung ihrer Namen im WWW oft eine Menge Geld kosten. Ein regelrechter Hype entstand und riss die gesamte Weltwirtschaft mit sich. In den Medien wurde unter dem Begriff der ”New Economy“ euphorisch ein neues Internet-basiertes Wirtschaftsmodell gefeiert.

Dotcom-Blase am NASDAQ Index
Das amerikanische Silicon Valley wurde zur Brutstätte der dot-coms, so bezeichnet nach dem Adress-Suffix .com ihrer WWW-Adressen, die meist mit einer simplen Geschäftsidee eines Webbasierten Dienstes und der Hilfe von Venture-Kapital und Investoren in nur wenigen Monaten aufgebaut wurden, bevor sie – im Erfolgsfall mit astronomischem Gewinn – von einem größeren Konkurrenten aufgekauft wurden. Der reale Gewinn allerdings, den diese Firmen projektierten, blieb in den meisten Fällen aus. Auch der Konsument blieb, was das Online-Shopping angeht, zunächst zaghaft, zumindest solange noch keine einheitlichen und sicheren Transaktionsmechanismen zur Verfügung standen. In der Jahresmitte 2000 brach dieser Markt dann schlagartig zusammen – die so genannte ”Dotcom-Blase“ platzte. Dem alten Börsengesetz folgend kam nach dem überschwänglichen Hype erst einmal eine lange Talfahrt, bevor der Markt langsam wieder zurück zu einer realen Bewertung fand.
[...wird fortgesetzt mit Web 2.0]
