Die Internet Engineering Task Force (IETF) ist eine der beiden wichtigsten Organisationen, die unter dem Dach des IAB arbeiten. Die Aufgabe der IETF liegt in der Lösung von kurz- bis mittelfristigen Problemen zur technischen Weiterentwicklung des Internets, um dessen Funktionsweise zu verbessern. Im Gegensatz zur eher forschungsorientierten Internet Research Task Force (IRTF), kümmert sich die IETF um die kurzfristig zu lösenden Probleme des Internets, insbesondere um die Standardisierung der im Internet eingesetzten Kommunikationsprotokolle. Zu den Aufgaben zählt die Erarbeitung von hochqualitativen, relevanten technischen Dokumentationen für die Internetprotokolle. Die IETF ist eine offene, internationale Vereinigung von Freiwilligen, in der sowohl Netzwerktechniker, Hersteller, Netzbetreiber und Forscher als auch Internetanwender mitwirken. Eine Mitarbeit steht jedem Interessierten offen. Es existiert keine förmliche Mitgliedschaft oder Mitgliedsvoraussetzung. Als lose Organisation besitzt die IETF keine Rechtsform und ist daher formell unter dem Dach der Internet Society (ISOC) tätig.

Die IETF existierte bereits als eine der zum ICCB, dem Vorgänger des IAB, gehörenden Task Forces. Ihre Arbeitserfolge gaben mit den Ausschlag zur Reorganisation des IAB. Anders als die anderen Task Forces, die meist nur aus wenigen Spezialisten bestehen, die zusammen an einem bestimmten Problem arbeiten, war die IETF von Anfang an sehr groß und ihre zahlreichen Mitglieder bearbeiteten viele Probleme gleichzeitig. Sie wurde deshalb in über 20 Arbeitsgruppen unterteilt, die sich jeweils einem bestimmten Problem widmeten. Die Arbeitsgruppen hielten ihre eigenen Treffen ab, um entsprechende Problemlösungen zu formulieren, die sie dann in den regulären Treffen der IETF vorstellten, wo deren Aufnahme in das Internet-Standard-Werk diskutiert wurde. An den IETF-Treffen nahmen oft Hunderte von Personen teil. Die Task Force wurde zu groß, um noch erfolgreich von einem einzelnen Chairman geleitet zu werden. Auf Grund ihrer großen Bedeutung wurde die IETF nach der Reorganisation der IAB zwar beibehalten aber in einzelne Arbeitsgruppen unterteilt. Jede Arbeitsgruppe wird von einem ernannten Vorsitzenden geleitet und verfügt über eine eigene Charta, die die Ziele der Arbeitsgruppe festschreibt und vorgibt, wann welche Dokumente produziert werden sollen. Die IETF-Arbeitsgruppen widmen sich derzeit den folgenden acht Bereichen (Areas):
- Internet-Anwendungen (Applications)
- Allgemeines (General)
- Internet Dienste (Internet)
- Betrieb und Netzmanagement (Operations and Management)
- Echtzeitanwendungen und Infrastruktur (Real-Time and Infrastructure)
- Routing
- Sicherheit (Security)
- Transport- und Anwenderdienste (Transport and User Services)
Die Arbeitsgruppen diskutieren ihre jeweiligen Themen per E-Mail über offene Mailinglisten und üblicherweise finden dreimal im Jahr so genannte IETF-Meetings statt, in denen dann persönlich diskutiert werden kann. Nach Beendigung der Arbeit an einem Thema wird die Arbeitsgruppe wieder aufgelöst. Die einzelnen Arbeitsgruppen gehören entsprechend ihrem Themengebiet zu bestimmten Bereichen (Areas). Jeder Bereich wird von einem eigenen Area Director betreut, zu dessen Aufgabe es zählt, die Vorsitzenden der zu dem Area gehörenden Arbeitsgruppen zu ernennen. Der IETF Chairman und die Area Directors bilden die Internet Engineering Steering Group (IESG), die für die Koordinierung der Arbeit in den Arbeitsgruppen Sorge trägt und für den Gesamtbetrieb der IETF verantwortlich ist.
Zu den Aufgaben der IESG zählt weiter auch die Begutachtung und eventuell sich anschließende Genehmigung neuer offizieller Protokollstandards. Zudem entscheidet die IESG auch in Streitfällen darüber, ob ein grober Konsens innerhalb einer Arbeitsgruppe erreicht wurde. Auch die Entscheidung über die Einrichtung neuer Arbeitsgruppen obliegt der Beurteilung durch die IESG. Der Ablauf ist dabei üblicherweise folgender: Zuerst diskutieren interessierte Teilnehmer mit einem Area Director über ein neues Thema. Ein solches erstes Treffen gleichgesinnter Interessenten wird als Birds of a feather-Treffen (BOF) bezeichnet und kann während eines IETF-Meetings abgehalten werden. Im Rahmen eines BOFs werden dann die Probleme diskutiert, welche durch die neu einzurichtende Arbeitsgruppe gelöst werden sollen, und erste Vorschläge für eine Charta dieser neuen Arbeitsgruppe erarbeitet. BOF-Treffen können durchaus auch mehrfach stattfinden, bis klar geworden ist, ob sich genügend Freiwillige zur Gründung einer neuen Arbeitsgruppe finden. Organisation und Arbeitsweise des IETF wurden in mehreren Standarddokumenten (RFCs) festgelegt:
- RFC 3233 ”Defining the IETF“
- RFC 3935 ”A Mission Statement for the IETF“
- RFC 4677 ”The Tao of IETF – A Novice’s Guide to the Internet Engineering Task Force“