Bevor Nachrichten mit Hilfe von digitalen Rechnernetzwerken übertragen wurden, konnten diese als Brief oder Telegramm bzw. später auch als Fernschreiben oder Fax übermittelt werden. Allerdings wurde die Übermittlung von einfachen Textnachrichten von den Entwicklern des ARPANETs in den 1960er Jahren eher als nebensächlich betrachtet. So betonte Larry Roberts, der spätere Direktor des ARPA Information Processing Techniques Office (IPTO), dass ein Nachrichtenaustauschsystem (Message Handling System) ein möglicher Anwendungszweck für ein verteiltes Rechnernetzwerk wäre, doch würde dieser Zweck allein den Aufbau des ARPANETs nicht rechtfertigen.
Eine der am Aufbau des ARPANETs beteiligten Firmen war BBN (Bolt, Beraneck, and Newman). Der BBN Ingenieur Ray Tomlinson beschäftigte sich dort Ende der 1960er Jahre mit dem Programm SNDMSG, das für die Übermittlung von Nachrichten zwischen den Benutzern eines Großrechners sorgte und dem CPYNET Protokoll zum Dateitransfer zwischen Rechnern im Netzwerk. Über das SNDMSG Programm konnte ein Benutzer eines Computers einem anderen Benutzer Text in dessen Mailbox hinzufügen. Eine Mailbox war dabei nichts anderes als eine einzelne Datei, die nur ein Benutzer – der Besitzer der Mailbox – lesen konnte.
Erste Ideen zur Verteilung von Dokumenten über sogenannte Mailinglisten wurden bereits in sehr frühen RFCs dokumentiert, so z.B. RFC 95 und RFC 155. Auch ein erstes rudimentäres Mailbox-Protokoll wurde bereits 1971 in RFC 196 ” A Mail Box Protocol“ spezifiziert. Ebenfalls 1971 kam Tomlinson auf die Idee, CPYNET und SNDMSG zu verbinden, um so Nachrichten an Benutzer auf anderen Rechnern im Netzwerk zu versenden. Dabei kam er auch auf die Idee, den Namen des Benutzers und des jeweiligen Rechners im Netzwerk durch ein ” @“-Zeichen zu verbinden.
In Deutschland wurde die erste Internet E-Mail am 3. August 1984 um 10:14 MEZ von Michael Rotert (* 1950) an der Universität Karlsruhe empfangen. Zu Beginn der 1980er Jahre wurden in zahlreichen Netzwerkumgebungen Systeme zur Nachrichtenübertragung entwickelt, wie z.B. Mailbox-Systeme, X.25, Novell oder BTX. Allerdings wurden diese durch die zunehmende Verbreitung des Internets und des Internet E-Mail Dienstes bis Mitte der 1990er Jahre zusehends verdrängt. Die E-Mail entwickelte sich schnell zum populärsten Dienst im Internet. Im Jahr 2010 wurden täglich 294 Milliarden E-Mails von mittlerweile annähernd 1,88 Milliarden E-Mail Benutzern versendet, wobei der Anteil an unerwünschter SPAM E-Mail erschreckenderweise bei fast 90% lag.