Das Internet Architecture Board – IAB

Logo des Internet Architecture Board

Das Internet Architecture Board (IAB) – vormals Internet Activities Board oder auch Internet Advisory Board – ging 1983 aus dem von der ARPA reorganisierten Internet Control and Configuration Board (ICCB) hervor. Hauptanliegen des IAB ist es, die Weiterentwicklung des Internet zu lenken. Das bedeutet unter anderem, dass das IAB dafür zuständig ist, festzulegen, welche neuen Protokolle notwendig sind und welcher offiziellen Politik gefolgt werden soll, wenn es um deren Einführung und die Weiterentwicklung des Internet geht. Die ursprüngliche Idee war es hier, die Hauptverantwortlichen für die Entwicklung der Internet-Technologie zusammenzubringen, den Gedankenaustausch unter ihnen zu fördern und gemeinsame Richtlinien und Forschungsziele festzulegen und zu verfolgen. Bis zur ersten großen Reorganisation des IAB im Jahre 1989 erwuchs aus der zunächst ARPA-zentrierten Forschungsgruppe eine autonom handelnde Institution. 1989 hatten sich das Internet und die damit verbundene TCP/IP-Technologie weit über das ursprünglichen Forschungsprojekts hinaus entwickelt. Hunderte von Firmen arbeiteten an TCP/IP-bezogenen Produkten und neue Standards ließen sich schon lange nicht mehr von heute auf morgen festlegen und umsetzen. Der kommerzielle Erfolg der Internettechnologie machte eine Reorganisation des Lenkungsgremiums IAB notwendig, um den veränderten politischen und kommerziellen Bedingungen Rechnung zu tragen. Die Rolle des Vorsitzenden wurde neu definiert: die Wissenschaftler wanderten vom eigentlichen Board in zugeordnete Unterstützungsgruppen ab, und das neue IAB Board wurde aus Repräsentanten der neu zusammengesetzten Internet-Gemeinde gebildet.

Das IAB setzt sich aus etwa zehn so genannten Internet Task Forces (ITF) zusammen, die sich alle mit jeweils unterschiedlichen Problemen rund um das Internet befassen. Die beiden bedeutendsten Task Forces sind dabei die Internet Engineering Task Force (IETF) und die Internet Research Task Force (IRTF). Das IAB organisiert Hauptversammlungen, auf denen die ITFs ihre jeweiligen Status-Reports abliefern, technische Spezifikationen prüfen, verbessern und die jeweilige Politik festgelegen. Der Vorsitzende des IAB, der so genannte Chairman, hat die Aufgabe, aus Vorschlägen technische Direktiven zu machen, und die Arbeiten der verschiedenen ITFs zu organisieren. Er richtet auf Anregung der IAB-Mitglieder neue ITFs ein und repräsentiert das IAB nach außen. Allerdings – und das mag überraschen – verfügte das IAB niemals über große finanzielle Mittel. Angehörige des IAB sind in der Regel Freiwillige, die für die jeweiligen ITFs wiederum freiwillige Mitarbeiter werben, die meist aus dem universitären oder industriellen Bereich der Internet-Forschung stammen. Die freiwillige Mitgliedschaft zahlt sich allerdings für die Mitwirkenden aus, da sie zum Einen die Möglichkeit bietet, stets über die aktuellsten Trends und Technologien gut unterrichtet zu sein, und andererseits aktiv an der Ausgestaltung des Internets mitwirken zu können.

Zu den Aufgaben des IAB zählt vor allen Dingen auch die Überwachung des Standardisierungsprozesses, wofür ein spezieller RFC Editor ernannt wird. Desweiteren ist das IAB für die Verwaltung der Zuweisung von Protokollparameterwerten durch die Internet Assigned Numbers Authority (IANA) zuständig.

Prolog

Teil 1 von 3

Computer und Internet gehören zu den ganz wenigen technologischen Entwicklungen in der Geschichte der Menschheit, die das Leben und Handeln der Menschen wirklich grundlegend verändert haben. Als Treiber der digitalen Revolution erweitern sie unsere gedankliche Mobilität in einem bisher unvorstellbaren Maße und befreien unseren geistigen Aktionsradius von (fast) jeglicher körperlicher Beschränkung. Gemeinsam mit den beiden anderen Bänden dieser Serie ”Grundlagender digitalen Kommunikation“ und ”Web-Technologien“ bietet dieser Band einen umfassenden und lehrreichen Führer durch die Welt der modernen, digitalen Kommunikation. Dabei bildet der vorliegende Band das eigentliche Herzstück der Serie, in dem die grundlegenden Technologien und Funktionsprinzipien der Kommunikationsinfrastruktur des Internets detailliert beschrieben werden.

Ein kurzer historischer Rückblick auf fast 50 Jahre Internetgeschichte bilden als Prolog den Auftakt zusammen mit einer Vorstellung der wichtigsten Akteure des globalen Internets und ihrer Aufgaben.

Die vom Internet bewältigten Kommunikationsaufgaben sind überaus komplex. Unterschiedliche Rechnerarchitekturen werden dem jeweiligen Bedarf vor Ort entsprechend in Netzen unterschiedlichster Dimension und Technologie zu einem virtuellen Kommunikationsnetz verbunden, wobei dem Benutzer stets der Eindruck vermittelt wird, dass das so entstandene Internet tatsächlich ein einheitliches und homogenes Gebilde ist. Um der mit dieser Herkulesaufgabe verbundenen Komplexität Herr zu werden, wurde ein hierarchisch modularer Ansatz in Form eines Kommunikationsschichtenmodells gewählt. Das birgt den Vorteil, dass die jeweils von den einzelnen Schichten zu bewältigenden Aufgaben in sich abgeschlossen sind und die Interaktion zwischen diesen Schichten über fest definierte Schnittstellen erfolgt. Kapitel 2 widmet sich diesem als TCP/IP-Referenzmodell bezeichneten Kommunikationsschichtenmodell und erläutert detailliert die allgemeinen Aufgaben und Funktionen der einzelnen Protokollschichten.

Im Anschluss reflektieren die weiteren Kapitel jeweils die unterschiedlichen Schichten des TCP/IP-Referenzmodells und stellen die auf diesen Schichten angesiedelten Kommunikationsprotokolle vor. Kapitel 3 startet mit der physikalischen Schicht. Obwohl sie nicht offizieller Bestandteil des TCP/IP-Referenzmodells ist, bildet sie die Basis, auf der das Internet aufsetzt. Vergleicht man einfache Situationsparameter, wie z.B. zu überbrückende Distanzen, Mobilität, technischer Aufwand oder Kosten, erfordern unterschiedliche Situationen auch unterschiedliche Technologien, die jeweils auf unterschiedlichen physikalischen Kommunikationsmedien und -infrastrukturen basieren. So thematisiert Kapitel 3 die theoretischen Grundlagen der Kommunikation mit elektromagnetischen Signalen und stellt unterschiedliche kabelgebundene und kabellose Technologievarianten vor.

Ein neuer Blog?
Ein Blog zur Internet-Technologie?
Ein Internetworking-Blog?

Christoph Meinel und Harald Sack

Ja, ein neuer Blog. Ein Blog, nicht über persönliche Befindlichkeiten und Gedanken, nicht über gesellschaftliche Entwicklungen oder politische Ereignisse, sondern ein Blog über die Internet-Technologie, eine Technologie, die neben unserer physikalischen Welt eine zweite, von den Gesetzen der Schwerkraft weitgehend befreite, digitale Welt hat entstehen lassen. In dieser neuen digitalen Internet-Welt gewinnen die Dinge unserer alltäglichen Erfahrungswelt eine neue, eine zweite Existenz, die mit diesen Dingen wie Schatten, schwerelos und anderen physikalischen Gesetzen gehorchend, verwoben sind. Losgelöst und eigentümlich eigenständig können diese Schatten unserer eigenen physikalischen Existenz, unserer Ideen und Gedanken in Worten, Bildern oder Videos, annähernd mit Lichtgeschwindigkeit um die Welt geschickt, in Interaktion mit den digitalen Schatten Anderer, von Freunden oder Kollegen treten. Es eröffnen sich zuvor nie dagewesene Potenziale für neue zwischenmenschliche Kommunikationsformen, gesellschaftliche Partizipation und profitable wirtschaftliche Aktivitäten. Und das alles, dank einer Technologie, der Internet-Technologie.


Uns scheint, dass das Gründe genug bietet, sich genauer mit den dem Internet  zugrundeliegenden Konzepten, Mechanismen und Protokollen zu beschäftigen, so wie das Autofahren einfach mehr Spaß macht, wenn man sich nicht nur bequem und schnell fortbewegt, sondern auch eine Ahnung von seinen Antriebsmechanismen und der Motorenstärke besitzt. In jedem Fall ist dieses Wissen hilfreich, ja unerlässlich, wenn man für eigene, wie auch immer geartete Aktivitäten die Potenziale heben will, die der Internet-Technologie innewohnen.


Was wir in unserem Internetworking-Blog versuchen wollen, ist, in kleinen Dosen die einzelnen Aspekte der Internet-Technologie zu besprechen und damit Interessierten zu einem tieferen Verständnis der sehr zahlreichen, ineinandergreifenden Wirkprinzipien und Protokolle – das ist der Name der Softwareprogramme, mit denen die zahlreich weltweit existierenden Computernetzwerke zu einem einzigen, weltumspannenden virtuellen Netz, eben dem Internet verwoben werden können -, zu verhelfen. Wenn uns das gelingen sollte, freuen wir uns sehr, dass sich der Aufwand gelohnt hat, wenn nicht, lassen Sie uns das bitte auch wissen, es ist halt unser erster Versuch und ausprobieren macht klüger. In jedem Fall können sie die andiskutierten Themen vertiefen und weiterlesen, z.B. in unserem gerade beim Springer-Verlag erschienen Buch: Meinel/Sack „Internetworking“ oder in unseren zahlreichen multimedialen Vorlesungsaufzeichnungen im tele-TASK Portal.


Herzlichst,

Christoph Meinel und Harald Sack


P.S. Der Blog gliedert sich analog den einzelnen Teilbereichen bzw. Schichten des Internet Protokollstapels. Neue Beiträge erscheinen stets auf der Hauptseite und werden dann den jeweiligen Kapiteln zugeordnet und der Überblick wird vereinfacht.