Physikalische Schicht

Die Protokolle in den einzelnen Schichten des TCP/IP-Referenzmodells des Internets setzen alle auf einem physikalischen Übertragungsmedium auf. Daher ist in diesem Zusammenhang auch oft die Rede von der sogenannten physikalischen Schicht (Physical Layer), die selbst nicht Bestandteil des eigentlichen TCP/IP- Referenzmodells ist. Zusammen mit den vier Schichten des TCP/IP-Referenzmodells bildet sie das hybride TCP/IP-Referenzmodell. Allgemein werden in der physikalischen Schicht alle physikalischen und technischen Eigenschaften eines zur Datenübertragung genutzten, physikalisches Mediums definiert. Im Mittelpunkt steht dabei die Wechselwirkung zwischen der Netzwerk-Hardware und dem physikalischen Übertragungsmedium.

Festgelegt werden müssen das Layout der Steckverbindungen, deren elektrische bzw. optische Parameter, die Spezifikation der physikalischen Beschaffenheit von Kabeln (elektrisch und optisch), als auch die Spezifikation von Verstärkerelementen, Netzwerkadaptern sowie die verwendeten Datenübertragungsverfahren. Die Grundlage jeder Kommunikation ist die Signalübertragung, d.h. der Transport von Signalen über ein geeignetes Übertragungsmedium, das diese Signale über eine räumliche Distanz weiterleitet. Der Sender nutzt zur Aktivierung eines Übertragungskanals im Übertragungsmedium und zum anschließenden Absetzen einer weiterzuleitenden Nachricht eine Signalquelle, der Empfänger am anderen Ende des Übertragungsmediums besitzt zur Aufnahme des übertragenen Signals eine entsprechende Signalsenke.

Signalübertragung

Die physikalische Schicht erhält von der darüberliegenden Schicht einen binären Datenstrom aus Nullen und Einsen, der in physikalische Signale übersetzt werden muss. Diese Umsetzung erfolgt mit Hilfe von unterschiedlichen Modulationsverfahren, mit denen über die Variation einzelner bzw. mehrerer Signalparameter Information in das übertragene Signal eingeprägt wird. Die Verfahren unterscheiden sich in der Wahl der variablen Signalparameter, der jeweils gewählten Stärke der Variation und deren Kombination miteinander, wodurch sich unterschiedliche Mengen an Information in gleicher Zeit übertragen lassen. Auf der Seite des Empfängers müssen diese Signale mit Hilfe eines Demodulationsverfahrens wieder aus dem physikalischen Übertragungsmedium zurück in einen Strom binärer Information zurückübersetzt werden.

Da sich im Internet viele Teilnehmer ein gemeinsam genutztes Kommunikationsmedium teilen, müssen Verfahren zur effizienten und gerechten Ressourcenzuteilung eingesetzt werden. Der logische Teil zur Lösung dieser Aufgaben obliegt den höher gelegenen Protokollschichten, während auf der physikalischen Schicht die Voraussetzung für die gemeinsame Nutzung des physikalischen Kommunikationsmediums geschaffen werden müssen. Dazu werden bestimmte Bereiche der zu variierenden Signalparameter, wie z.B. Zeit oder Frequenz, bzw. deren Kombination den einzelnen Teilnehmern zugeordnet, so dass diese sich während einer Übertragung nicht gegenseitig stören. Je nach gewähltem physikalischen Kommunikationsmedium und Datenübertragungsverfahren kommen unterschiedliche Verfahren des Multiplexings und Demultiplexings zum Einsatz.

Prolog

Teil 1 von 3

Computer und Internet gehören zu den ganz wenigen technologischen Entwicklungen in der Geschichte der Menschheit, die das Leben und Handeln der Menschen wirklich grundlegend verändert haben. Als Treiber der digitalen Revolution erweitern sie unsere gedankliche Mobilität in einem bisher unvorstellbaren Maße und befreien unseren geistigen Aktionsradius von (fast) jeglicher körperlicher Beschränkung. Gemeinsam mit den beiden anderen Bänden dieser Serie ”Grundlagender digitalen Kommunikation“ und ”Web-Technologien“ bietet dieser Band einen umfassenden und lehrreichen Führer durch die Welt der modernen, digitalen Kommunikation. Dabei bildet der vorliegende Band das eigentliche Herzstück der Serie, in dem die grundlegenden Technologien und Funktionsprinzipien der Kommunikationsinfrastruktur des Internets detailliert beschrieben werden.

Ein kurzer historischer Rückblick auf fast 50 Jahre Internetgeschichte bilden als Prolog den Auftakt zusammen mit einer Vorstellung der wichtigsten Akteure des globalen Internets und ihrer Aufgaben.

Die vom Internet bewältigten Kommunikationsaufgaben sind überaus komplex. Unterschiedliche Rechnerarchitekturen werden dem jeweiligen Bedarf vor Ort entsprechend in Netzen unterschiedlichster Dimension und Technologie zu einem virtuellen Kommunikationsnetz verbunden, wobei dem Benutzer stets der Eindruck vermittelt wird, dass das so entstandene Internet tatsächlich ein einheitliches und homogenes Gebilde ist. Um der mit dieser Herkulesaufgabe verbundenen Komplexität Herr zu werden, wurde ein hierarchisch modularer Ansatz in Form eines Kommunikationsschichtenmodells gewählt. Das birgt den Vorteil, dass die jeweils von den einzelnen Schichten zu bewältigenden Aufgaben in sich abgeschlossen sind und die Interaktion zwischen diesen Schichten über fest definierte Schnittstellen erfolgt. Kapitel 2 widmet sich diesem als TCP/IP-Referenzmodell bezeichneten Kommunikationsschichtenmodell und erläutert detailliert die allgemeinen Aufgaben und Funktionen der einzelnen Protokollschichten.

Im Anschluss reflektieren die weiteren Kapitel jeweils die unterschiedlichen Schichten des TCP/IP-Referenzmodells und stellen die auf diesen Schichten angesiedelten Kommunikationsprotokolle vor. Kapitel 3 startet mit der physikalischen Schicht. Obwohl sie nicht offizieller Bestandteil des TCP/IP-Referenzmodells ist, bildet sie die Basis, auf der das Internet aufsetzt. Vergleicht man einfache Situationsparameter, wie z.B. zu überbrückende Distanzen, Mobilität, technischer Aufwand oder Kosten, erfordern unterschiedliche Situationen auch unterschiedliche Technologien, die jeweils auf unterschiedlichen physikalischen Kommunikationsmedien und -infrastrukturen basieren. So thematisiert Kapitel 3 die theoretischen Grundlagen der Kommunikation mit elektromagnetischen Signalen und stellt unterschiedliche kabelgebundene und kabellose Technologievarianten vor.