Während ein neuer Internet-Standard seinen Entwicklungsprozess durchläuft, sind vorläufige Versionen, so genannte Drafts, über das IETF Internet Drafts Directory, das auf verschiedenen Rechnern im Netz vorgehalten wird, zur Stellungnahme und Diskussion zugänglich. Auf diese Weise wird jedes Arbeitsdokument der ganzen Internet-Gemeinde vorgelegt, um begutachtet und gegebenenfalls auch wieder revidiert zu werden. Verbleibt ein solcher Draft für mehr als 6 Monate im Internet Drafts Directory, ohne dass dieser durch die IESG zur Veröffentlichung vorgeschlagen wird, wird er einfach aus dem Directory entfernt. Jederzeit kann ein Internet Draft aber durch eine neu überarbeitete Version ersetzt werden und der 6-Monats- Bearbeitungszeitraum beginnt von Neuem. Ein Internet Draft zählt nicht als Publikation und hat somit keinen formalen Status oder kann zitiert werden. Er kann jederzeit verändert oder wieder entfernt werden. Die IETF fungiert im Internet-Standardisierungsprozess als Dreh- und Angelpunkt. Der Großteil aller technischer Beiträge wird von ihr initiiert und sie wirkt als Integrationspunkt für andere Standards, die außerhalb des Internet-Standardisierungsprozesses definiert wurden. (siehe Abb. 1.3). Eine Spezifikation, die einmal als Internet-Standard veröffentlicht werden soll, durchläuft dann einen fest vorgegebenen Entwicklungsprozess mit unterschiedlichen Reifegraden. Angefangen vom Proposed Standard über den Status des Draft Standard kann sich die Spezifikation bis hin zum vollständig ausgereiften Internet Official Protocol Standard entwickeln.
Proposed Standard
Eine neue Spezifikation tritt ein in den Standardisierungsprozess als Proposed Standard. Verantwortlich dafür, dass ein Vorschlag für eine Spezifikation den Standardisierungsprozess betritt, ist die IESG der IETF. Ein Proposed Standard gilt bereits als stabil, notwendige Design-Entscheidungen wurden im Vorfeld getroffen. Das in einem Proposed Standard behandelte Problem gilt allgemein als gut verstanden. Es wurde bereits von der Internet-Gemeinde begutachtet und einer weiterführenden Aufmerksamkeit für Wert erachtet. Für grundlegende Internet- Protokolle oder Kernkomponenten des Internets verlangt die IESG in der Regel, dass eine Implementation und Erfahrungen im operationellen Betrieb vorliegt, bevor der Status eines Proposed Standards gewährt wird. Für den Implementierer stellt der Proposed Standard eine noch unreife Spezifikation dar. Daher ist eine zügige Implementation erwünscht, um die dabei gewonnenen Erfahrungen in die weitere Ausgestaltung der Spezifikation miteinbeziehen zu können.
Draft Standard
Wurden für einen Proposed Standard mindestens zwei unabhängige Implementationen entwickelt und wurden mit diesen genügend operationelle Erfahrung gesammelt, kann ein Proposed Standard frühestens nach Ablauf von 6 Monaten auf die Stufe eines Draft Standards gehoben werden. Ein Draft Standard muss schon allgemein anerkannt und stabil sein, weitere Einsatzerfahrungen sind aber immer noch von Nöten, insbesondere wenn es sich zum Beispiel um den großmaßstäblichen Einsatz in einer Produktionsumgebung handelt. Im Allgemeinen wird ein Draft Standard bereits als endgültige Spezifikation betrachtet, die nur noch verändert wird, falls unvorhergesehene Probleme das erzwingen.

Internet Official Protocol Standard
Sind für einen Draft Standard bereits ausreichend Einsatzerfahrungen mit Hilfe von verschiedenen auf seinen Spezifikationen beruhenden Implementationen erzielt worden, so kann dieser den Status eines offiziellen Internet Standards erlangen. Ein Internet Standard zeichnet sich bereits durch einen hohen Grad an technischer Ausgereiftheit aus und dem allgemeinen Vertrauen darauf, dass die Spezifikation einen signifikanten Beitrag für das Internet und seine Benutzer leistet. Eine Spezifikation, die den Level eines Internet-Standards erreicht, behält ihre ursprüngliche RFC Nummer. In Abb. 1.4 wird Standardisierungsprozesses in Form eines Flussdiagramms skizziert.


