Modems – Der Zugang über das Telefonnetz – Teil 1

Für annähernd hundert Jahre war das gesamte Telefonnetz als analoges Telekommunikationsnetz ausgelegt. Seit etwa 1980 wurde das analoge Fernsprechnetz zu einem digitalen diensteintegrierenden Universalnetz (ISDN) ausgebaut, über das nicht nur Sprachdienste abgewickelt, sondern auch eine Vielzahl weiterer, digitaler Dienste integriert wurden. Die Teilnehmeranschlussleitung, die von der nächsten Weitverkehrsvermittlung direkt zum Endteilnehmer führt, wird auch als LocalLoop oder als letzte Meile (Last Mile) bezeichnet. Ist diese als analoge Übertragungsstrecke ausgelegt, müssen digitale Daten vor der Übertragung zunächst in analoge Signale umgewandelt werden, bevor sie über die Local Loop zur nächsten Weitverkehrsvermittlungsstelle gelangen, die die Daten für die Weiterübertragung wieder in Digitalsignale umsetzt.

Analoge und digitale Datenübertragung mit Modems

Jeder Endteilnehmer, der über das analoge Telefonnetz eine Datenübertragung vornehmen will, benötigt dazu ein Modem. Der Name ”Modem“ setzt sich aus den beiden zu lösenden Aufgaben Modulation und Demodulation zusammen. Bei der Modulation wird das Frequenzspektrum des originalen Digitalsignals (Basisbandsignal) in den vom analogen Telefonnetz übertragbaren Frequenzbereich von 300 Hz bis 4000 Hz verschoben, während die Demodulation diese Verschiebung wieder rückgängig macht.

Analoge Signalübermittlung basiert auf der Übertragung von zeitlich variablen Spannungspegeln über elektrische Leitung. AnalogeÜbertragung können nicht perfekt ohne messbare Verluste stattfinden. Daher unterliegt die analoge Signalübertragung strengen Restriktionen, die durch drei verschiedenartige Störgrößen bestimmt werden:

  • Signaldämpfung
    Mit zunehmender Signalausbreitung schwächt sich das Ausgangssignal zusehends ab (in elektrischen Kabeln etwa logarithmisch zur zurückgelegten Distanz). Die Signaldämpfung wird in Dezibel pro Kilometer angegeben und ist abhängig von der verwendeten Signalfrequenz.
  • Signalverzerrung
    Betrachtet man das Signal als Funktion über der Zeit, die sich aus einzelnen festfrequenten Komponenten einer Fourier-Analyse zusammensetzt, stellt man fest, dass sich die einzelnen Signalkomponenten mit unterschiedlicher Geschwindigkeit ausbreiten. Bei derÜbertragung ursprünglich digitaler Daten kann es daher vorkommen, dass schnelle Komponenten eines gesendeten Bits langsame Komponenten des zuvor gesendeten Bits ”überholen“ und es dadurch zuÜbertragungsfehlern kommt.
  • Signalrauschen
    Rauschen kann entlang desÜbertragungsmediums auch durch andere Energiequellen als den Sender verursacht werden. Das sogenannteÜbersprechen bezeichnet eine Art der Störung, die auftritt, wenn sich Induktionseffekte zwischen zwei nahe aneinanderliegenden Kabeln einstellen.

Wie diese Probleme vermieden werden können und welche Standards zum Betrieb eines Modem genutzt werden, erfahren Sie im nächsten Post.

Der Standardisierungsprozess

Während ein neuer Internet-Standard seinen Entwicklungsprozess durchläuft, sind vorläufige Versionen, so genannte Drafts, über das IETF Internet Drafts Directory, das auf verschiedenen Rechnern im Netz vorgehalten wird, zur Stellungnahme und Diskussion zugänglich. Auf diese Weise wird jedes Arbeitsdokument der ganzen Internet-Gemeinde vorgelegt, um begutachtet und gegebenenfalls auch wieder revidiert zu werden. Verbleibt ein solcher Draft für mehr als 6 Monate im Internet Drafts Directory, ohne dass dieser durch die IESG zur Veröffentlichung vorgeschlagen wird, wird er einfach aus dem Directory entfernt. Jederzeit kann ein Internet Draft aber durch eine neu überarbeitete Version ersetzt werden und der 6-Monats- Bearbeitungszeitraum beginnt von Neuem. Ein Internet Draft zählt nicht als Publikation und hat somit keinen formalen Status oder kann zitiert werden. Er kann jederzeit verändert oder wieder entfernt werden. Die IETF fungiert im Internet-Standardisierungsprozess als Dreh- und Angelpunkt. Der Großteil aller technischer Beiträge wird von ihr initiiert und sie wirkt als Integrationspunkt für andere Standards, die außerhalb des Internet-Standardisierungsprozesses definiert wurden. (siehe Abb. 1.3). Eine Spezifikation, die einmal als Internet-Standard veröffentlicht werden soll, durchläuft dann einen fest vorgegebenen Entwicklungsprozess mit unterschiedlichen Reifegraden. Angefangen vom Proposed Standard über den Status des Draft Standard kann sich die Spezifikation bis hin zum vollständig ausgereiften Internet Official Protocol Standard entwickeln.

Proposed Standard
Eine neue Spezifikation tritt ein in den Standardisierungsprozess als Proposed Standard. Verantwortlich dafür, dass ein Vorschlag für eine Spezifikation den Standardisierungsprozess betritt, ist die IESG der IETF. Ein Proposed Standard gilt bereits als stabil, notwendige Design-Entscheidungen wurden im Vorfeld getroffen. Das in einem Proposed Standard behandelte Problem gilt allgemein als gut verstanden. Es wurde bereits von der Internet-Gemeinde begutachtet und einer weiterführenden Aufmerksamkeit für Wert erachtet. Für grundlegende Internet- Protokolle oder Kernkomponenten des Internets verlangt die IESG in der Regel, dass eine Implementation und Erfahrungen im operationellen Betrieb vorliegt, bevor der Status eines Proposed Standards gewährt wird. Für den Implementierer stellt der Proposed Standard eine noch unreife Spezifikation dar. Daher ist eine zügige Implementation erwünscht, um die dabei gewonnenen Erfahrungen in die weitere Ausgestaltung der Spezifikation miteinbeziehen zu können.

Draft Standard
Wurden für einen Proposed Standard mindestens zwei unabhängige Implementationen entwickelt und wurden mit diesen genügend operationelle Erfahrung gesammelt, kann ein Proposed Standard frühestens nach Ablauf von 6 Monaten auf die Stufe eines Draft Standards gehoben werden. Ein Draft Standard muss schon allgemein anerkannt und stabil sein, weitere Einsatzerfahrungen sind aber immer noch von Nöten, insbesondere wenn es sich zum Beispiel um den großmaßstäblichen Einsatz in einer Produktionsumgebung handelt. Im Allgemeinen wird ein Draft Standard bereits als endgültige Spezifikation betrachtet, die nur noch verändert wird, falls unvorhergesehene Probleme das erzwingen.

Internet Official Protocol Standard
Sind für einen Draft Standard bereits ausreichend Einsatzerfahrungen mit Hilfe von verschiedenen auf seinen Spezifikationen beruhenden Implementationen erzielt worden, so kann dieser den Status eines offiziellen Internet Standards erlangen. Ein Internet Standard zeichnet sich bereits durch einen hohen Grad an technischer Ausgereiftheit aus und dem allgemeinen Vertrauen darauf, dass die Spezifikation einen signifikanten Beitrag für das Internet und seine Benutzer leistet. Eine Spezifikation, die den Level eines Internet-Standards erreicht, behält ihre ursprüngliche RFC Nummer. In Abb. 1.4 wird Standardisierungsprozesses in Form eines Flussdiagramms skizziert.

Offene Standards im Internet

Bei der Entwicklung neuer Internet-Standards sind die meisten der in Abschnitt 1.4 genannten Organisationen beteiligt. Sie haben sich dem gemeinsamen Ziel verschrieben, den Internet-Standardisierungs-Prozess nach den folgenden Richtlinien zu gestalten:

  • technische Vorzüglichkeit,
  • frühzeitige Implementation und Praxistests,
  • klare, präzise und leicht zu verstehende Dokumentation,
  • Offenheit und Ausgewogenheit, sowie
  • möglichst hohe Aktualität.

Request for Comments (RFC) – Ausgangspunkt des Standardisierungsprozesses
Da die TCP/IP-Technologie kein proprietäres Eigentum darstellt und auch kein Hersteller dieses Privileg für sich beanspruchen darf, kann die Dokumentation der Protokollstandards auch nicht von einem Hersteller bezogen werden. Die Dokumentation der Standards ist online öffentlich und ohne jegliche Gebühr für jeden verfügbar. Die Spezifikation jedes späteren Internet-Standards, Vorschläge für die Einrichtung neuer oder die Revision bestehender Standards werden zunächst in Form eines technischen Berichts, einem sogenannten Request for Comments (RFC) durch IESG oder IAB veröffentlicht. RFCs können sehr ausführlich oder auch nur sehr kurz sein. Sie können sowohl den bereits fertigen Standard als auch nur Vorschläge für die Ausgestaltung neuer Standards enthalten. Obwohl nicht wie wissenschaftliche Forschungsarbeiten begutachtet, werden sie doch editiert. Lange Jahre, bis 1998 oblag die Herausgabe einer einzelnen Person, Jon Postel, der das Amt des RFC- Editors inne hatte. Heute übernehmen diese Aufgabe die Arbeitsgruppenmanager des IETF. RFCs dienen somit für die IESG und das IAB als offizielle Publikation zur Kommunikation mit der Internet Gemeinde. Es existieren eine Reihe von Servern, auf denen alle RFCs via WWW, FTP oder anderen Dokument-Retrieval Systemen öffentlich zugreifbar sind. Schon die Namensgebung soll darauf hinweisen, dass der eingereichte Spezifikationsvorschlag Gegenstand öffentlicher Diskussion ist. Die lange Reihe der bislang erschienenen RFCs startete bereits 1969 im Rahmen des ursprünglichen ARPANET Projekts. Neben Internet-Standards werden darin auch viele ursprüngliche Forschungsthemen und Diskussionen, als auch Statusberichte über das Internet behandelt. Die Veröffentlichung neuer RFCs obliegt der Verantwortung des RFC-Editors und folgt der generellen Richtungsweisung des IAB. Die Serie der RFCs wird fortlaufend und chronologisch durchnummeriert. Jeder neue RFC bzw. dessen Revision erhält eine eigene Nummer. Es obliegt der Sorgfalt des Lesers, die jeweils aktuellste Nummer zu einem bestimmten Themengebiet aus der Serie der RFCs herauszufinden, wobei ihm dabei ein RFC-Index hilft.

Der Status der einzelnen in Bearbeitung befindlichen neuen Standards wird periodisch in einem eigenen RFC mit dem Titel Internet Official Protocol Standards veröffentlicht. Er zeigt auf, wie weit jeder einzelne in Bearbeitung befindliche Vorschlag auf dem Weg zum Internet-Standard gediehen ist.

Vorteile eines Schichtenmodels

Schichtenmodelle spielen in der Kommunikationstechnik, aber auch in anderen Gebieten der Informatik eine bedeutende Rolle.

Schichtenmodell

Der Einsatz eines solchen Modells ist aus folgenden Gründen sinnvoll:

  • Teile und Herrsche (Divide et Impera / Divide and Conquer)
    Nach dieser Strategie wird ein komplexes Problem in einzelne Teilprobleme zerlegt, die jedes für sich betrachtet, einfacher handhabbar und lösbar sind. Oft ist es dadurch überhaupt erst möglich, das Gesamtproblem zu lösen.
  • Unabhängigkeit
    Die einzelnen Schichten kooperieren, indem jede Schicht stets nur die Schnittstellenspezifikation ihres direkten Vorgängers nutzt. Bei fest vorgegebener Schnittstellenspezifikation spielt der innere Aufbau einer Schicht für die anderen Schichten keine Rolle, so dass die Implementationen auf einer Schicht ohne weiteren Aufwand direkt gegen verbesserte Implementationen ausgetauscht werden können, die sich lediglich nur an der jeweiligen Schnittstellenspezifikationen orientieren müssen. Die Implementationen der einzelnen Schichten werden damit unabhängig von denen der anderen Schicht und ein modularer (baukastenartiger) Aufbau des Gesamtsystems wird ermöglicht.

    Schnittstellen der Schichten
  • Abschirmung
    Jede einzelne Schicht kommuniziert jeweils nur mit den beiden direkt benachbarten Schichten. Damit wird eine Kapselung der einzelnen Schichten erreicht, wodurch die zu bewältigende Komplexität drastisch sinkt.
  • Standardisierung
    Die Aufgliederung des Gesamtproblems in einzelne Schichten erleichtert auch die Entwicklung von Standards. Eine einzelne Schicht und ihre Schnittstellen mit den benachbarten Schichten lassen sich jeweils schneller und leichter standardisieren, als das komplexe Gesamtsystem.

Wegweiser durch die Welt des Internets

Map of the Internet

Map of the Internet

Das Internet als Netz der Netze wird nicht von einer Zentralstelle aus gesteuert, sondern ist fast vollständig dezentral konzipiert und organisiert, eine Leitstelle oder zentrale Instanz, die die Organisation und Einhaltung von Standards überwacht und ein Funktionieren garantiert, sucht man vergebens. Da seine internationalen Verflechtungen jedoch unterschiedlichste Kommunikationsinfrastrukturen mit einschließen, ist eine interne Lenkung und Standardisierung unverzichtbar. So regulieren international zusammengesetzte Nonprofit-Organisationen im Zusammenspiel mit der gesamten Internet-Gemeinde die technische Organisation in Form eines offenen Standardisierungsprozesses. Basiskomponente dieses Prozesses ist der so genannte Request for Comments (RFC), in dem die Spezifikation eines neuen Standards vorgeschlagen wird. Im Zuge seiner Festschreibung durchläuft der vorgeschlagene Standard verschiedene Entwicklungsstufen, deren Fortschritt in der Verantwortung der steuernd eingreifenden Organisationen liegt.

Der Kitt, der das Netz der Netze zusammenhält, besteht in einer Reihe von zum Teil sehr alten Standards rund um den Austausch von Daten und Dateien über physikalische Netzwerkgrenzen hinweg. Die beiden wichtigsten Normen des Internet sind das Internet Protocol (IP) und das Duo Transmission Control Protocol/Internet Protocol (TCP/IP). Diese sorgen für den Transport von Daten von einem Endpunkt in einem Netz zu einem anderen in einem (möglicherweise) anderen Netz. Weitere Standards regeln den Austausch elektronischer Post, die Aufbereitung von WWW-Seiten oder auch Aufbau und Funktionsweise von Internet-Adressen. All diese Standards sind dafür verantwortlich, dass Millionen von Menschen tagtäglich trotz unterschiedlichster Hardwarevoraussetzungen über das Internet miteinander kommunizieren können. Das Internet ist, trotz seiner dezentralen Strukturen und verteilten Verantwortlichkeiten, in technischer Hinsicht straff und zum Teil sogar hierarchisch durchorganisiert.

Organigramm der Internet Verwaltungsgremien

Wer aber setzt diese Standards? Und wer trägt Sorge für deren Einhaltung, die weitere Entwicklung und den Betrieb des Internets? Es gibt dazu eine Reihe von Organisationen, die für die Belange des Internets und seine Weiterentwicklung weltweit Sorge tragen.Die wichtigsten dieser Organisationen sowie deren speziellen Aufgaben werden hier in Kürze vorgestellt werden.