Während in der physikalischen Schicht lediglich elektrische, elektromagnetische oder optische Signale zwischen zwei oder mehreren beteiligten Kommunikationspartnern ausgetauscht werden, betrachtet man auf der Netzzugangsschicht des TCP/IP-Referenzmodells die Kommunikation bereits auf einer abstrakteren, logischen Ebene, losgelöst von der physikalischen Ebene. Folgen von Bits – logische Nullen und Einsen – werden zu größeren Einheiten zusammengefasst und versendet.
Die Netzzugangsschicht wird in unterschiedlichen Netzwerktechnologien implementiert, angefangen von sogenannten Personal Area Networks (PANs), die nur das direkte, persönliche Umfeld auf wenige Meter Entfernung miteinander vernetzen,
über die weitverbreiteten lokalen Netzwerke (Local Area Networks, LANs) zur Vernetzung von Gebäuden und ausgedehntere Metropolitan Area Networks (MANs) zur Vernetzung ganzer Städte, bis hin zu globalen Weitverkehrsnetzwerken (Wide
Area Networks, WANs).
Die Netzzugangsschicht (Link Layer, Data Link Layer, Sicherungsschicht) ist die unterste Schicht des TCP/IP-Referenzmodells. Sie setzt direkt auf dem physikalischen Übertragungsmedium (Physikalische Schicht) auf, das selbst nicht Teil des TCP/IP-Referenzmodells ist. Während die physikalische Schicht lediglich Bitfolgen in physikalische Signale übersetzt, die entlang eines physikalischen Übertragungsmediums versendet werden,besteht die Hauptaufgabe der Netzzugangsschicht darin, diese Bitfolgen zu strukturierten Einheiten (Datenpakete, Datagramme, Rahmen, Frames) zusammenzufassen (Framing) und diese zwischen zwei (benachbarten) Endsystemen entlang eines Kommunikationskanals auszutauschen. Die Datenpakete werden dabei mit Zusatzinformationen versehen, die eine korrekte Übertragung unterstützen, wie z.B. Prüfsummen zur einfachen Fehlererkennung (Fehlerbehandlung). Die auf der Netzzugangsschicht verwendeten Datenpakete werden üblicherweise
als Rahmen (Frames) bezeichnet. Die kommunizierenden Endsysteme können entweder direkt durch ein Übertragungsmedium miteinander verbunden sein oder an einen sogenannten Bus (Diffusionsnetzwerk, Broadcast Netzwerk) angeschlossen sein, der mehrere Endsysteme direkt, also ohne Zwischensysteme miteinander verbindet. Protokolle, die die Kommunikation auf der Netzzugangsschicht implementieren, definieren das Format der Rahmen, die zwischen den kommunizierenden Endsystemen ausgetauscht werden, und bestimmen die zum Senden und Empfangen der Rahmen notwendigen Aktionen. Zusätzlich muss die Netzzugangsschicht dafür sorgen, dass langsame Empfänger nicht von schnellen Sendern mit Daten überflutet
werden. Diese Regulierung des Datenflusses wird auch als Flusssteuerung (Flow Control) bezeichnet.
Die wichtigsten Aufgaben der Netzzugangsschicht bestehen also in:
- 1. Bereitstellung einer definierten Dienstschnittstelle für höhere Protokollschichten,
- 2. Reglementierung des Mehrfachzugriffs auf ein gemeinsam genutztes Kommunikationsmedium,
- 3. Behandlung von Übertragungsfehlern (Fehlererkennung, Neuübertragung, Fehlerkorrektur, etc.) und
- 4. Flusssteuerung.



